Stuttgart. Der wissenschaftspolitische AfD-Fraktionssprecher Dr. Bernd Grimmer MdL hat dem Grünen-Stadtverband Tübingen Sprachanalphabetismus vorgeworfen. Anlass ist das Scheitern von Unterstützern des grünen Tübinger Oberbürgermeisters Boris Palmer gestern abend, einen Aufruf gegen Palmers Parteiausschluss zu verbreiten. In dem Aufruf heißt es, Palmers Äußerungen über den Fußballer Dennis Aogo seien kein Beweis dafür, dass er ein Rassist sei. „Palmers Verbrechen bestand darin, in einem Beitrag über Aogo, der einen nigerianischen Vater hat, ‚Neger‘ benutzt zu haben. Mit diesem Begriff, entblödet sich heute auch nicht dpa zu texten, aktuell werde damit ‚eine früher in Deutschland gebräuchliche rassistische Bezeichnung für Schwarze umschrieben‘. Das ist kein Witz. Damit wird zunächst unterstellt, dass ausnahmslos jeder Nutzer der deutschen Sprache ‚früher‘ Rassist war: Ob er das wusste oder nicht, ob er das wollte oder nicht – einerlei. Merken Grüne eigentlich selbst noch, was sie für linguistischen Unsinn verzapfen?“

Grimmer verweist darauf, dass Stephan Remmler 1992 in Köln auf einem von der Initiative „Arsch huh, Zäng ussenander“ veranstalteten Konzert noch gesungen hatte: „Mein Freund ist Neger“, um zur Verbundenheit mit Menschen anderer Hautfarbe aufzurufen. „Heute ist das Wort Grund für die soziale Ächtung konservativer Politiker. Was soll da in den letzten gerade mal 30 Jahren passiert sein? Das Wort, das für ‚Schwarzer‘ in Ableitung aus dem französischen Wort nègre, dem spanischen ‚negro‘ und letztlich dem lateinischen ‚niger‘ zurückgeht, wurde in den deutschen Wortschatz aufgenommen vom Lexikografen Johann Christoph Adelung – und war mit keinem Werturteil verbunden! Das haben erst Autoren herbeifantasiert, die behaupten, dass ‚ein im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts zusehends negativ gekennzeichnetes Mohrenbild mit der im 18. Jahrhundert entwickelten Ordnungskategorie Rasse zum Begriff des Negers verschmolzen‘ wurde. Diese auf Wikipedia genüsslich zitierte These wird sonst nirgendwo akademisch aufgegriffen!“

Für Grimmer ist der Vorgang ein weiterer Tiefpunkt von Identitätspolitik, die jetzt auch die Sprachwissenschaft instrumentalisiert. „So erklärte Tahir Della, Sprecher der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, dass der Begriff von schwarzen Menschen als rassistisch wahrgenommen werde, und diese Wahrnehmung solle doch Grundlage des Handelns sein, unabhängig davon, ob man sie nachempfinden könne oder nicht. Das ist absurd. Hier maßt sich eine Minderheit an, der Mehrheit ihr Sprachverhalten vorzuschreiben. Anders ist auch der Brief von 50 Tübinger Bürgern schwarzafrikanischer Herkunft nicht zu deuten, die ein Ende der ‚rassistischen Beleidigungen und Hetze aus dem Tübinger Rathaus‘ fordern – die Stadt hat rund 90.000 Einwohner. Schon 2013 hatten wir einen unsäglichen Tiefpunkt mit den Kinderbuchklassikern von Otfried Preußler und Erich Kästner sowie den deutschen Übersetzungen von Astrid Lindgren. Wer dachte, schlimmer wird es nicht, wird heute eines Besseren belehrt.“